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Burnout-Prävention durch Salutogenese

Burnout-Prävention durch Salutogenese.

Erfolgreiche Burnout-Prävention greift auf unterschiedliche Stützpfeiler und Konzepte zurück. Heute möchte ich gern die Salutogenese vorstellen, das ist die Lehre von der Gesundheitserhaltung und wurde maßgeblich von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky geprägt. Das Schöne am Konzept der Salutogenese ist, dass der Fokus auf Gesundheit gerichtet ist, statt zu schauen, wie kann man Krankheit vermeiden oder loswerden.
Die innere Haltung und die Ausrichtung der Energie ist eine ganz andere.

 

Was uns körperlich und seelisch gesund hält

Antonovski sieht in Gesundheit keinen statischen Zustand, also entweder gesund oder krank, sondern etwas Bewegliches, Aktives, in eine der beiden Richtungen Schwankendes.
Unser Organismus bewegt sich ständig im Ausgleich zwischen Gesundheit und Krankheit und ist bestrebt Balance herzustellen. Es gibt keinen ständigen, konstanten Idealzustand. Einerseits ist das erleichternd, weil es den perfektionistischen Wunsch von andauernder absoluter Gesundheit bremst und andererseits zeigt es, dass wir in jedem Moment selbst auf unsere Gesundheit einwirken und sie fördern können.
Das ist besonders in der Burnout-Prävention wichtig zu wissen und kann für jeden Menschen etwas ganz Individuelles bedeuten, je nach Konstitution.

Als Stressoren sieht Antonovski alle Anforderungen, die das Gleichgewicht des Organismus stören. Das kann etwas von Außen Kommendes sein, aber es können auch deine innersten Gedanken sein.
Sich gesund fühlen ist etwas sehr Subjektives! Dein Gesundheitszustand hängt davon ab, welche inneren und äußeren Ressourcen dein  Organismus (physisch und psychisch) hat, um Anforderungen zu bewältigen.

Um in uns ein Gleichgewicht herstellen zu können, nutzen wir Menschen verschiedene Ressourcen und wie erfolgreich wir darin sind wird vom Kohärenzsinn beschrieben. Dazu gleich genaueres.

waldboden im frühling symbolisiert burnout prävention

Welche Faktoren unterstützen die Burnout-Prävention

Der Kohärenzsinn beschreibt deine Grundhaltung zur Welt, dein Wohlgefühl mit dir selbst, die Verbundenheit mit deiner Umwelt, also dich Teil als des Ganzen zu fühlen, deine Lebenseinstellung und ob du dem Leben vertrauen kannst.
Je stärker der Kohärenzsinn ausgeprägt ist, desto eher kannst du vorhandene Ressourcen für Wohlgefühl nutzen und desto gesünder nimmst du dich selbst wahr. Das Kohärenzgefühl setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:

  • Verstehen von Zusammenhängen:

    Kannst du Hintergründe einer Situation erkennen, Zusammenhänge sehen, dann hilft die Verstehbarkeit, mit Ereignissen zurechtzukommen. Sich etwas erklären zu können, Erkenntnisse zu gewinnen ist ein erster Schritt zu mehr Akzeptanz und Handlungsspielraum.

  • Überzeugung der Handhabbarkeit:

    Hast du das Gefühl, mit einer Situation, Krankheit… umgehen zu können, dann ist es für dich handhabbar. Dann fühlst du dich nicht als Opfer, sondern selbstwirksam. Du hast Handlungsmöglichkeit, um schwierige Erfahrungen bewältigen zu können. Auch musst du nicht gleich alles lösen können, eine Entlastung ist bereits, einen Umgang gefunden zu haben, zu wissen, es lässt sich bewältigen.

  • Bedeutsamkeit (Sinn):

    Kannst du das, was geschehen ist, in einen Kontext bringen und ihm Bedeutung geben, kannst du leichter damit umgehen, statt nur zu leiden. Mit innerem Sinn werden Aufgaben im Leben nicht als Last empfunden, sondern als Möglichkeiten zu wachsen. Die Sinnhaftigkeit für Wachstum erkennen können bedeutet also, du hast das tiefe Wissen, dass das Leben / die Situation / die Erkrankung… einen Sinn für dich birgt.

 

Nutze dieses Wissen im Alltag für die Burnout-Prävention

Ich möchte die drei Punkte Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit so in den Alltag transferieren:

Um ein Burn-Out zu verhindern, ist es auch wichtig, dich selbst gut zu kennen. Wenn du dich auf den Weg der Selbsterforschung begibst und neugierig bist, dich selbst besser kennenzulernen, dann wirst du dich selbst und deine Verhaltensweisen besser VERSTEHEN lernen. Du erkundest deine tiefen Glaubenshaltungen und findest zum Beispiel heraus, was deine inneren Antreiber sind, weshalb du so im Leistungsdruck steckst und du deshalb nie so richtig zur Entspannung kommen kannst. Du lernst deine dahinterliegenden Bedürfnisse kennen und in Folge auch, dir selbst entsprechend zu handeln.

orangenbaum vor säulengebäude und teich zeigt entspannung hilftburnout vorbeugen

In meiner Arbeit mit KlientInnen ist mir wichtig, dass sie sich nicht nur vom Verstand her kennen und verstehen lernen, sondern über das mitfühlende Herz.

Mitgefühl und tiefes Verständnis für dich selbst sind ein ganz besonderer Schritt auf dem Weg zur Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Wenn du dann schon einen anderen – verständnisvolleren, liebevolleren –  Bezug zu dir selbst hast, erwacht auch die Energie, mit der herausfordernden Situation gut umgehen zu können. Du möchtest wirklich herausfinden, in welcher Form du dir selbst eine gute Begleiterin sein kannst. Vielleicht weißt du noch nicht genau wie, aber du hast ein inneres Gefühl der Handhabbarkeit: Ja, es ist nur mir selbst möglich etwas zu verändern!

Eventuell weißt du noch nicht genau, wie die nächsten Schritte konkret aussehen, doch du kannst dir immer Unterstützung holen, das ist auch schon ein wichtiger Schritt und schon steckst du nicht mehr fest.

 

Sinnvolles Leben 

Die gegenwärtige Situation in deinem Leben ist, wie sie ist. Du kannst dich entscheiden, wie du damit umgehst.
So schrecklich es sein mag, aber der Versuch, einen SINN zu finden, kann Kraft geben und Resilienz stärken.
Was hast du zu verlieren? Die Krankheit, die schwere Situation, der Konflikt ist schon da und muss irgendwie bewältigt werden. Durch Sinnhaftigkeit hört das Leid nicht auf, aber es wird erträglicher. Sinn gibt Kraft, und eröffnet neue Möglichkeiten. Weil du dich nicht als Opfer der Umstände fühlst, sondern als aktive Gestalterin.

Etwas „hat“ nicht per se Sinn und oft ist die Sinnhaftigkeit bei leidvollen Erfahrungen verborgen. Ja, es liegt an dir selbst, Bedeutsamkeit und Sinnhaftigkeit herzustellen. Es ist deine Entscheidung, woran du glauben möchtest.

Sei ehrlich zu dir: Wie viel Sinn macht es für dich zu sagen: „Es hat alles keinen Sinn, ich leide lieber“. Oder du fragst dich, auch wenn es eine gefühlt unangenehme Erfahrung ist: „Ja, es ist schrecklich, doch was zeigt es mir; ich möchte lernen den Sinn darin zu sehen um mich weiter entwickeln zu können“. Das ist eine ganz andere Ausrichtung und Energie, nicht wahr?

Mit der Zeit wirst du immer mehr die Sinnhaftigkeit deiner Erfahrungen erkennen können. Du findest heraus, was du daran lernen darfst und kannst innerlich weiter wachsen. Immer mehr wirst du nach Sinn streben, eben weil es Sinn für dich macht und dies ein nährendes Gefühl bei dir hinterlässt.
Die Motivation, sich ein wirklich wohltuendes Leben zu gestalten, steigt.

 

Deine Kraft-Reserven auftanken

Zur Burnout-Prävention gehört auch, genau herauszufinden, was dich stärkt, um persönliche Krisen besser zu bewältigen.

Was brauchst du zu deiner Balance zwischen Geist, Körper, Psyche und sozialem Umfeld, sowie Aktivität und Entspannung?

  • Psychische Gesundheit: Bedürfnisse wahrnehmen und ausdrücken, Gefühle zulassen und Umgang mit Emotionen, dich mitteilen: innere und äußere Kommunikation, Selbsterfahrung, es dir wert sein, dir Gutes zu tun, innere Entwicklungsarbeit, dir Coaching erlauben, Energiebalance üben, Sinngebendes erfahren, die eigenen Lebensthemen ansehen, Selbstfürsorge
  • Physische Gesundheit: Bewegung wie Spazieren, Tanzen oder kräftigende Übungen, dich mit dem Körper verbinden, erden und eigene Grenzen spüren, regelmäßig frisches Wasser, Vitalstoffe, nährende Nahrung, deinen Körper achtsam pflegen, ausreichend Schlaf, entspannendes Ruhen…
  • Soziales & Geistiges: Spiritualität leben, Kraft aus der Begegnung mit anderen Menschen schöpfen, Freundschaften pflegen, dich von Menschen lösen, die dir nicht wohltun, Kontakte zu Nachbarn herstellen, Streitigkeiten bereinigen, Meditation, etwas Neues Lernen, der eigenen Kreativität Ausdruck verleihen, Handarbeit, Musizieren, Achtsamkeitstraining…

sanfte hügellandschaft, weg im vordergrund mit ausblick

Keiner der Aspekte sollte auf zu lange Sicht vernachlässigt sein. Eine Zeit lang kann der Organismus ein Ungleichgewicht ausgleichen und trägt es eine Weile mit.
Jedoch darfst du stets liebevoll darauf achten, alle Ebenen des „Kraft-Reserve-Tanks“ wieder gut zu füllen. Diese Ebenen haben etwas ganz Natürliches. Da wir aber oft schon recht entfernt von der Natur und unseren natürlichen Rhythmen leben, übersehen wir gern mal die ein oder andere Ebene. Daher ist für Viele der Aufenthalt in der Natur eine besondere Kraftquelle, da sie uns hilft, uns wieder zu verbinden.

 

Innere Entwicklungsarbeit ist kein Stress

Ein schönes Bild ist für mich die Fluss-Metapher von Antonovski: Stell dir vor, in einem gefährlichen Fluss mit etlichen Stromschnellen treiben die Menschen. Sie strudeln und kämpfen gegen das Ertrinken und gegen Krankheit. In der konventionellen Medizin versuchen ÄrztInnen wie RettungsschwimmerInnen die eventuell ertrinkenden Menschen einzeln aus der reißenden Strömung zu retten. Niemand achtet darauf, weshalb all diese Menschen in den Fluss gefallen sind.
Der Ansatz der Salutogenese ist jedoch, den Menschen zu zeigen, wie sie lernen können, besser zu schwimmen und mit den unterschiedlichen Anforderungen des sich ständig wandelnden Flusses umzugehen. Welche Fähigkeiten brauchen die Menschen, welche Ressourcen haben sie schon in sich, um besser mit dem Leben fließen zu können?

Das Konzept der Salutogenese zeigt deutlich, dass du viel selbst beeinflussen kannst, um deinen Organismus Richtung Gesundheit zu unterstützen. Gerade in der Burnout-Vorsorge ist die innere Arbeit mit deinen Überzeugungen, Einstellungen und auch das Erforschen deiner inneren Kommunikation sehr wichtig. Wenn du dich besser kennen und verstehen lernst, entdeckst du, was dein gesamtes System tatsächlich stresst (das sind oftmals nämlich nicht nur die äußeren Faktoren wie Arbeit, Umfeld…). Dann kannst du auf tieferen Ebenen Stress entgegenwirken und gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Burn-Out-Vorsorge leben.

Zum Abschluss noch ein paar Fragen, die du für dich beantworten kannst:

Wodurch kannst du ganz individuell deine psychische, physische, soziale Gesundheit stärken?

Wie siehst du dich, wenn du gesund bist? Was zählt da alles dazu in deinem Leben, welche Bedingungen brauchst du, wie fühlst du dich rundum „gesund“?

Wer bist du, wenn du dich auf allen Ebenen heil-gesund fühlst? Erforsche deine inneren Quellen nach Antworten und visualisiere ganz genau dein „heiles“ du selbst sein.



MÖCHTEST DU MEHR ERFAHREN?

Es folgen weitere Artikel, Tipps und Infos zu Selbstfürsorge, Resilienz, Selbstbewusstsein, seelische Gesundheit, Burnout, Hochsensibilität, Stressbewältigung….

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Danke sagt Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Lebensberatung & Coaching 1140 Wien, Mauerbach, Purkersdorf.

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