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Was Angehörige von (an Demenz) erkrankten Menschen erleben

Angehörige und Zugehörige kann jede/r sein!

Als Angehörige/r einer (psychisch oder an Demenz) erkrankten Person wünscht du dir sicher oft Hilfe.

Vielleicht geht es einer Person in deinem nahen Umfeld während der letzten Monate gesundheitlich schlechter. Es hat sich angebahnt, dass du sie nun immer mehr unterstützt.

Vielleicht ist die Situation, Angehörige eines erkrankten Menschen zu sein, ganz plötzlich eingetreten. Durch einen Unfall oder eine schockierende Diagnose, die auch dein Leben komplett verändert.

Du bist vielleicht direkte/r Familienangehörige/r: Tochter, Bruder, Ehefrau, Schwester, Sohn, Enkelin, Partner, Mutter.
Oder geht deine Verbindung zum betroffenen Menschen über die Verwandtschaft hinaus?


Wer sind Zugehörige?

Zugehörige sind die Menschen, die im Lebensumfeld einer erkrankten Person sind. Vielleicht nicht immer unmittelbar an der Pflege oder bei Entscheidungen beteiligt, aber dennoch betroffen: Freundin, Nachbarn, Bekannte, Kollegin. Je nach innigem Kontakt ebenso auch beispielsweise Schwiegertochter, Tante oder Cousin.

Jede Person kann sich betroffen fühlen, sich sorgen oder auch Betreuung übernehmen. Daher ist es mir wichtig, den Begriff „Angehörige“ auch um Zugehörige – zum Umfeld der erkrankten Person dazu gehörende Menschen – zu erweitern. (Es geht mir hier nicht um den juristischen Begriff des Angehörigen wie er in der Rechtsordnung verwendet wird).

Genauso betrifft das in Beziehung sein ja auch alle Altersstufen: Du kannst mit 17 Jahren, 41 Jahren oder 68 Jahren in einer belastenden Situation sein, weil jemand in deinem Umfeld erkrankt ist oder Hilfe braucht.


Persönlich betroffen

Ich selbst war auch schon früh, beziehungsweise bin noch betroffene Angehörige und kenne daher viele der Herausforderungen nicht nur aus fachlicher, sondern auch aus persönlicher Seite.

Familienangehörige, Zugehörige, Betreuende oder pflegende Angehörige können, natürlich je nach Situation, in unterschiedlichem Ausmaß mit verschiedenen Belastungen konfrontiert sein.
Im Folgenden habe ich einige Punkte zusammengetragen, die ich in meiner Praxis der psychologischen Beratung erfahren habe.


Innere Belastungen von Angehörigen

  • ertragen von wechselnden Gefühlen wie Trauer, Optimismus, Mitgefühl, Angst, Wut, Hoffnung, Verzweiflung, Mut, Unverständnis, Ohnmacht, genervt sein, Liebe, Hilflosigkeit, Mitleid, Zorn, Schuld, Ratlosigkeit
  • hadern mit der Situation, nicht wissen wie es weiter gehen soll
  • „ich pflege ja nicht, ich betreue nur, da geht es Anderen ja noch viel schlechter…“
  • Trauer über den Verlust der Situation, wie sie war, als sie/er noch gesund war
  • Aktionismus – im ständigen Tun den Schmerz nicht so stark spüren
  • ständige Sorge um das Wohlergehen der pflegebedürftigen Person
  • fehlende eigene Wertschätzung „ist ja selbstverständlich, dass ich für ihn/sie da bin“
  • keine Zeit mehr für sich selbst. Antrieb für eigene, persönliche Aktivitäten geht verloren
  • permanenter Stress, Anspannung, überlastet sein
  • die eigenen Lebenspläne geraten ins Wanken oder werden vorerst unmöglich
  • aufgrund der Belastung eigene körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Magenweh, Gewichtsschwankungen, psychosomatische Symptome, Rückenschmerzen, Hautprobleme, Schlaflosigkeit…
  • Angehörige kraftvolle Blume

    Angehörige gemeinsam zwei Blumen

    Angehörige Gruppe von Blumen

     

     

     

     

     

    • nicht wissen, wie lange halte ich das noch aus und gleichzeitig das Gefühl haben, ich muss es aber aushalten
    • verzweifelt sein, weil man glaubt es geht nur so und es gibt keinen anderen Weg „Na was soll ich tun, es bleibt mir ja nichts anderes übrig“
    • alles für die geliebte Person tun „alle Hebel in Bewegung setzen“, aber die eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen
    • starke Verantwortungsübernahme: Ich muss doch (für sie / ihn) funktionieren
    • Phasen der Hoffnungslosigkeit. Auf und ab mit dem Verlauf der Erkrankung
    • es kann sich wie ein schmerzlicher Abschied auf Raten anfühlen, ein „Vortrauern“
    • eigene Gesundheit wird vernachlässigt – alle Ressourcen gehen zur erkrankten Person
    • das Abgrenzen zur anderen Person gelingt schwer, die Grenzen verschwimmen
    • hoher Leistungsanspruch: Ich muss es schaffen, dass… (es ihm / ihr besser geht…)
    • zurecht kommen, dass sich die Rollen verschieben: Ehefrau / Pflegerin, Tochter / Betreuende…
    • Angst vor dem Tod sitzt im Nacken – der des geliebten Menschen und auch die eigene Sterblichkeit wird vor Augen geführt
    • der Versuch, sich Entspannung durch Beruhigungspillen, Alkohol… zu verschaffen, verschlimmert die Situation und den eignen Gesundheitszustand
    • Scham über die eigenen Gedanken und Gefühle „So darf ich doch nicht denken“
    • Verausgabung der eigenen Kraft, über seine Grenzen gehen.

    Herausforderungen, die auch das Umfeld mit einbeziehen

    • Überforderung mit behördlichen und administrativen Angelegenheiten (Pflegegeld etc.)
    • kräfteraubendes Durchorganisieren des Alltags: Beruf, Kinder, Pflege, Haushalt, Arzttermine…
    • Unverständnis vom Umfeld zu erleben, was eigentlich tatsächlich geleistet wird
    • unsicher zu sein im Umgang mit der pflegebedürftigen Person, mit Nachbarn…
    • nicht zu wissen, wo man hilfreiche Informationen bekommt
    • wenig Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen; Isolation, Einsamkeit
    • Belastung dauert über viele Wochen, Monate, Jahre an; beeinflusst Arbeitsumfeld
    • durch Pflegealltag schwierige finanzielle Situation
    • nicht mehr „abschalten“ können – rund um die Uhr ist man „Angehörige/r von…“
    • Verschlechterung des eigenen psychischen und körperlichen Gesundheitszustandes durch ständigen Umgang mit Krankenhäusern, Wartezimmern, Ärztinnen, Heimen…
    • extreme zeitliche, psychische, finanzielle, emotionale und auch körperliche Belastung.

    Das sind jetzt sehr lange Listen geworden. Wie gesagt, ist es natürlich je nach persönlicher Situation für jede Angehörige oder Zugehörige verschieden.

    Dennoch ist deutlich, dass die Herausforderungen sehr vielfältig sind und Unterstützung nötig ist. Auch wird verständlich, wieso pflegende Angehörige langfristig gesehen Burnout gefährdet sind.


    Angehörige brauchen auch Hilfe

    Ob es sich um Demenz, eine psychische oder sonstige Erkrankung handelt – meist wird sehr viel für die Betroffenen getan. Das ist natürlich extrem wichtig, richtig und gut so! Doch ebenso wichtig ist die Unterstützung von Angehörigen!
    Viele fühlen sich alleingelassen, da das Hilfsangebot in erster Linie den Erkrankten dient.
    Daher ist es mir ein Anliegen, Angehörige und Zugehörige zu stärken und zu unterstützen!

    Es ist ganz wichtig, dass du erfährst: Du bist nicht allein mit der Situation!

    Auch anderen Angehörigen geht es unter Umständen ähnlich. Vielleicht magst du deine Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige austauschen. Oder du brauchst konkret jemand, der an deiner Seite mit dir durch die schwierige Zeit geht und dich stärkt. Schritt für Schritt begleitet.
    Hol dir zeitgerecht Hilfe!
    Vielleicht hast du Fragen, die dich beschäftigen und du wünschst dir gezielte Information zu erhalten. Oder du möchtest dich einfach mal richtig „auskotzen“, dir alles von der Seele sprechen.
    Es darf alles sein.


    Sei dir wichtig

    Achte gut auf dich selbst. Dazu zählt alles, was die Resilienz, die psychische Widerstandsfähigkeit stärkt. Spüre und beachte deine Grenzen, sprich viel über deine Situation, nutze den Austausch, gönne dir stärkende Momente, oder schaff‘ dir kleine Rituale im Alltag an welchen du festhalten kannst. Du kannst lernen, mit guten und schlechten Phasen der Betreuung gelassener umzugehen. Das bei Stress gebildete Hormon Cortisol muss auch wieder abgebaut werden: Tu deinem Körper wohl und bewege ihn. Auch bewusstes Atmen hilft dir zu mehr innerlicher Ruhe.

    Eine gute Beziehung zu sich selbst, eine ausreichende Selbstpflege, ist die Basis um die Pflege und Betreuung einer nahestehenden Person gesund zu leben.

    Schäme dich nicht! Tägliche Anforderungen können in belastenden Zeiten überfordern. Gemeinsam geht es leichter:

    Hol dir Unterstützung, bevor du ausbrennst. Denn wenn DEIN Akku leer ist, kannst du auch für niemand anderen mehr da sein.



     

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    Danke sagt Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Lebensberatung & Coaching 1140 Wien, Mauerbach, Purkersdorf.

    Bildquelle ©Iris Lasta

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