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Erschöpft durch Selbstoptimierung

Erschöpft durch Selbstoptimierung

Selbsterfahrung ist ein tiefer Prozess, um zu wachsen und zu werden, wer wir sind. Selbstoptimierung sehe ich als Gegenteil davon und kann dazu führen, dass du dich erschöpft fühlst. Dich zu optimieren, ohne wirklichen Bezug zu deiner selbst ist vom Verstand gesteuerte Leistung, die dich von dir selbst wegbringt.

Natürlich ist es okay und erwünscht, sich zu erweitern und über sich selbst, seine Begrenzungen, hinauszuwachsen, mehr zu lernen und seine Fähigkeiten zu entwickeln!

Aber es kommt auf die Art und Weise und die Absicht dahinter an. Ist es ein liebevolles Entwickeln, weil es Lebendigkeit bedeutet, Neues zu lernen und Fähigkeiten zu erproben. Oder ist es ein strenges Anpeitschen zu höherer Leistung?
Geht es um das wohlerFÜHLEN oder um das besser Aussehen? Erhöhe ich innere Zufriedenheit oder versuche ich, vermeintliche Normen und Standards im Außen zu erfüllen?
Nehme ich mich an der Hand um mich auf dem Weg der Entwicklung zu begleiten, oder rase ich wie getrieben irgendwelchen Zielen hinterher, von denen ich glaube, es wäre gut für mich, weil viele andere es auch so machen, ohne jedoch den Bezug zu mir geprüft zu haben?

Geht es um Makellosigkeit und Perfektion?


Druck und Mangel

Wenn du ständig versuchst, dich besser zu machen, schöner, fitter, gesünder, beliebter, schlauer, reicher, begabter, netter (die Liste ist unendlich), dann ist das ein ungeheurer Druck. Dieser Antrieb speist sich aus dem Mangel, aus der Vorstellung, du wärst nicht okay, und müsstest erst noch  – wähle x-Beliebiges – und dann erst wäre alles gut.
Dann dürftest du erst genießen. Dann hättest du es geschafft. Dann beginnt das gute Leben. Das ist leider eine Illusion. Das „dann“ kommt nie, es wird immer ein neues Gefühl von Mangel auftauchen. Daher ist es so wichtig, dies zu durchschauen.

Wir dürfen nicht vergessen, es steckt auch eine riesen Industrie dahinter, die uns über Jahrzehnte vorgaukelt, es sei wirklich alles möglich: Wenn wir nur hart genug an uns arbeiten, uns anstrengen und vor allem viel, viel kaufen, dann ist die makellos gesunde, absolut fitte, extrem erfolgreiche Perfektion möglich. Diese Lüge schwingt in so vielen Werbebotschaften mit. Doch wir sind menschlich, und wir sind sterblich. Wir sollten nicht versuchen, das zu leugnen und unser Leben verschwenden, einem unerreichbaren, illusorischen Ideal hinterherzulaufen!

wasser berglandschaft

Weiterentwicklung statt erschöpft sein

Selbstoptimierung in ungesunder Form entsteht aus Angst, Mangel und fehlendem Selbstvertrauen. Es fehlt das Vertrauen, dass du in Ordnung bist, so wie du bist. Und dass du dich sein lassen darfst, so wie du bist. Dies ist ein Entwicklungsprozess, bei dem du dich gern begleiten lassen kannst. Denn durch diese innere Erkenntnis und tiefe Akzeptanz deiner selbst entsteht der selbstverständliche Wunsch nach Weiterentwicklung, aber der Motor ist ein ganz ein anderer als bei Selbstoptimierung. Dadurch wirst du eben auch nicht erschöpft.

Der Psychotherapeut Carl Rogers spricht von der „Selbstaktualisierungstendenz“, eine Art Motivation zur Selbstverwirklichung. Es ist in uns auf natürlichem Weg angelegt, zu wachsen.

(Weiter-)Entwicklung ist gesund und natürlich!


Perfektionswahn

Das „Ideal“ von maximaler Effizienz, durchgetakteten Stunden, Hochleistung in der Arbeit, ständige Fröhlichkeit, keine Schwäche zeigen, potenzierte Ansprüche an Gesundheit, maximale Körperkraft, makellose Schönheit, sportliche Spitzenleistung, noch tiefere Spiritualität, noch bessere Beziehung, Körpersystem pushen (40 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel für Haut, Gelenke, Stoffwechsel, Fettverbrennung, Sehkraft, Muskeln, Abwehrkraft…), maximale Selbsterforschung, absoluter Reichtum, noch effizienteren Tagesablauf, stoische innere Ruhe – immer; nie müde, nie krank, nie Streit… ist perfekte Unmenschlichkeit.

All das macht Stress und ist ohnehin nicht erfüllbar.

Schon beim Schreiben seufze ich erschöpft auf. Welch getriebene, stressige Vorstellung, so zu leben, wie anstrengend!
Tut man all das wirklich FÜR sich, wie es oft behauptet wird, oder ist es nicht eher gegen sich sein und ein Versuch, Ansprüchen des Außen, der Norm zu entsprechen? Hier muss man nach Innen horchen und ehrlich zu sich selbst sein!


Innere Leere

Selbstoptimierung kann anfangs tröstend erscheinen, weil du das Gefühl hast, etwas gegen den empfundenen Mangel oder Minderwert tun zu können. Deine gefühlte Hilflosigkeit drückt sich in Tatendrang aus. Doch wenn es überhand nimmt mit dem Messen, Pushen, Fordern, dann wäre es vielleicht ratsamer, dich mit dem Thema Kontrolle zu befassen. Auch wenn es vielleicht Angst machen mag, zu erkennen, dass es unmöglich ist, die Welt und das eigene Leben zu kontrollieren.

Bei all der Optimierung wird eine ganze Weile nicht gefühlt, wie unglücklich und vielleicht leer wir uns innerlich fühlen.
Für Gefühle – wie wir uns wirklich tief drinnen fühlen – ist bei all dem Tracking von Leistung und all dem Messen mit verschiedensten digitalen Hilfsmitteln keine Zeit. Manche tun alles, um sich nicht fühlen zu müssen. Manche kommen mit sich vermeintlich in Kontakt, wenn sie leisten. Daher funktioniert die Selbstoptimierung manchmal anfangs auch mit einem Hochgefühl für den Perfektionismus: „Ich habe etwas geschafft, sehr brav“. Daher leisten sie immer mehr, um sich immer besser zu fühlen. Doch es ist die falsche Ebene, denn langfristig gesehen wächst die innere Leere, und maximale Leistung ohne wirklichen Bezug zum eigenen Selbst führt oftmals ins Burn-out.

Vergleiche mit anderen

Durch das Internet ist es leider noch viel leichter geworden, sich zu vergleichen. Bunte Bilder gaukeln scheinbar realitätsnah vor, wie zigtausende Menschen glücklich, vollkommen gesund, lachend, sportlich, schön, schlank, super fit, ständig auf Urlaub, extrem beliebt und immer gut gelaunt das Leben genießen. Nicht leicht – schon gar nicht für so viele Jugendliche in den sozialen Medien – da den differenzierten Blick zu behalten, mit dem Wissen, dass die sogenannte Realität auch für diese vermeintlichen Supermenschen manchmal ganz anders aussehen mag.

Selbst mit diesem Wissen kann es ganz automatisch passieren, dass du dir denkst: „Huch, und was ist mir? Warum habe ich das nicht alles und warum kann ich jenes nicht so gut, was ja tausende andere so toll leben?“ Je nach Konditionierung gehst du in den Wettkampf, du möchtest besser sein als andere Menschen, erfolgreicher, möchtest andere schlagen im Sinne von besiegen. Oder deine innere Kritikerin sagt womöglich so etwas wie „selbst schuld, streng dich mehr an. Schließlich ist doch heutzutage alles erreichbar“, oder „nein, für dich gilt das nicht, du bist nicht privilegiert, du musst halt hart arbeiten, das Leben ist ein Kampf“. In allen Fällen fühlst du dich nicht gut genug und wirst entweder resignieren oder du begibst dich in die Selbstoptimierungs-Falle.


Erschöpfung

In jedem Fall spürst du wieder Mangel, wieder Druck. Was für unerfüllbar hohe Ansprüche! Manche Menschen kommen verzweifelt in meine Praxis: „Ich hab mich so bemüht, so angestrengt, wieso schaffe ich es einfach nicht? Ich tue ja eh alles um meine Ziele zu erreichen. Ich bin so erschöpft.“

Ja, erschöpft. Ein bisschen die Energie unserer Zeit, oder? Es geht darum, den Druck herauszunehmen und zu sehen, dass viel von dieser Zeitqualität in unserem Raum gesellschaftlich gewachsen ist. Es kann leicht passieren, dass du einfach mitläufst, ohne reflektiert zu haben, ob es mit deinen ureigenen Wünschen zu tun hat, das alles überhaupt erreichen zu wollen.

Selbst Meditation und Achtsamkeit wird ja womöglich zur Leistung hochgepuscht und muss als „zusätzlicher Zeitfresser“ in den überfüllten Alltag eingebaut werden. Was für ein Missverständnis! Ich habe tatsächlich mal eine Unterhaltung nicht überhören können, bei der es darum ging, wer denn nun länger meditiere und daher besser sei! Ohje. Manche plagt auch das schlechte Gewissen „es heute wieder nicht geschafft“ zu haben, Zeit zur bewussten Ruhe zu nehmen.


Vertrauen nach Innen

Wenn du merkst, es tut dir all das nicht gut, du fühlst dich erschöpft, irgendwie leer, obwohl du doch ohnehin alles hast, dann kannst du dich entscheiden wieder dir selbst zuzuhören.
Beginne, wieder Bezug zu dir herzustellen, Vertrauen und Zuversicht aufbauen, dich wieder mehr du sein zu lassen, statt ständig zu tun. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu üben.

Du bist vollkommen okay, auch wenn du nicht leistest. Du bist in Ordnung so wie du bist, auch ohne perfekte Ziele.
Du darfst sein und musst nicht ständig etwas schaffen oder erreichen. Fühl mal, bringt das Erleichterung, lässt dich das kurz aufatmen?

(Wenn es dir schwer fällt, alte Überzeugungen loszulassen, dann helfe ich dir zum Beispiel auch mittels der Energetischen Psychologie mit Klopfakupressur, deine inneren Sabotagemuster effektiv zu lösen).

Du musst nicht immer alles analysiert, verstanden und mühsam aufgearbeitet haben. Antworten finden sich, wenn du dir wieder erlaubst, deine innere Stimme zu hören. Dann entwickelst du aus deinem Selbstraum heraus deine Interessen.

Ein guter Tipp, um unterscheiden zu lernen, was ist Selbstoptimierung und Ego-Befriedigung und was ist Weiterentwicklung: Bleibt das nährende Gefühl aus, hat es nicht wirklich deinem Innersten entsprochen.

Erlaube dir, vertrauensvoll mit dem Leben zu fließen, statt zu kämpfen und zu optimieren. Dich du sein zu lassen ist großartig genug.

 


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*Pflichfeld

Danke sagt HSP-Coach Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Coaching & Lebensberatung in 1140 Wien, Mauerbach, Purkersdorf.

Bildquelle © JFL Photography/ Fotolia.com

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