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Glaubenssätze erkennen und wandeln

Deine inneren Glaubensmuster 

Willst du deinen hinderlichen Glaubenssätzen auf die Spur kommen? Bestimmt hast du ja schon bemerkt, dass deine Gedanken maßgeblich dazu beitragen, wie du dich fühlst. Es ist sehr spannend, die eigenen inneren Überzeugungen, Gedanken, Gefühle und inneren Anteile zu erforschen und dabei Veränderung möglich zu machen! Glaubenssätze sind prinzipiell hilfreich für das Gehirn, um die komplexe Welt handhabbar zu machen. Etliche Glaubensmuster können uns auch sehr gute Gefühle und Motivation bescheren.
Doch wenn wir alles einfach unhinterfragt glauben, was wir zu denken scheinen, kann es passieren, dass wir auch mit Vorstellungen leben, die uns hinderlich sind. Das sind dann innere Sabotagemuster, wir haben das Gefühl, wir stehen uns selbst im Weg.

Von vielen meiner Klientinnen und Klienten höre ich „negative“ Glaubenssätze wie:

  • Ich bin einfach zu unsicher
  • erst wenn alles perfekt ist, kann ich entspannen
  • ich muss mehr Selbstdisziplin haben
  • etwas stimmt nicht mit mir
  • nie werde ich gut genug sein
  • ich bin es nicht wert, eine erfüllte Beziehung zu leben
  • egal wie, ich mache immer alles falsch
  • ich schaffe es einfach nicht
  • im Grunde bin ich komisch
  • ich muss es alleine schaffen
  • meine Bedürfnisse zählen nicht, ich bin nicht so wichtig
  • immer werde ich einsam bleiben
  • ich muss hart arbeiten, damit…
  • in diese Welt passe ich nicht

Puh, eine geballte Ladung an Vorstellungen, die sehr viel Stress erzeugen. Und das ist nur eine willkürliche Auswahl.
Erkennst du vielleicht ähnliche Haltungen in dir?
Kleiner Hinweis schon vorab: Es sind im Grunde eben nur Vorstellungen. Keine Wahrheiten!
Du hast nur irgendwann, meist unbewusst, begonnen, etwas in dieser Form zu glauben.


Collage Frühling zeigt Vielfalt Glaubenssätze

Weshalb denkst du, wie du denkst?

Ist dir eine hinderliche Haltung in dir bewusst geworden, ist schon viel geschafft. Das ist sehr gutes Basismaterial um zu arbeiten, sodass es sich wandeln darf, was dir nicht wohl tut.

Doch oft fällt Menschen gar nicht auf, welche verinnerlichten Muster sie denken und aussprechen. Wieso das so ist, ist leicht erklärt, wenn wir uns ansehen, wie Glaubenssätze zustande kommen:

  • Übernommene Einstellungen
    Einerseits wachsen wir in einem sozialen Gefüge auf und übernehmen so während des Aufwachsens einfach Haltungen und Einstellungen, die unsere nächsten Bezugspersonen selbst geglaubt, gesagt und gelebt haben. Als Kind prüfen wir natürlich nicht bewusst, ob zum Beispiel die Einstellung „man kann sich nur auf sich selbst verlassen“ auch für uns wirklich stimmt. Nein, wir nehmen diese Sätze als Wahrheit an und übernehmen sie in unser inneres Erleben. Wir denken darüber nicht mehr bewusst nach – die Einstellung wird im Unbewussten abgespeichert und bestimmt fortan unsere Haltung und folglich unser Handeln.

  • Erfahrungen
    Auch aus beobachteten oder selbst gemachten Erfahrungen haben wir eigene Überzeugungen gebildet und abgespeichert. Oft passiert da eine Generalisierung. Aus einem Erlebnis wird eine quasi allgemeingültige Regel. Zum Beispiel „Nie wieder werde ich mich jemandem öffnen, weil ich so verletzt wurde“.
    „Nie“ und „immer“ sind Verallgmeinerungen. Nicht immer ist es aber ein so deutliches, bewusstes Erlebnis. Oft sind es viel kleinere Erfahrungen, die sich häufen. Wir reagieren unwillkürlich innerlich, und so festigt sich mit der Zeit eine Überzeugung, ohne, dass wir uns je bewusst hingesetzt und entschieden hätten „so, ab sofort denke ich das jetzt“.

Es zeigt sich also das „Tückische“, das Schwierige an Glaubenssätzen: Sie werden meist unbewusst übernommen oder unbewusst gebildet. Wir stehen dann da und wundern uns, wieso wir „uns selber im Weg stehen“, weshalb uns manche unangenehmen Situationen immer wieder begegnen, oder warum wir bei einem Thema einfach feststecken und nicht weiter wissen.


„Ich wollte nie so werden wie meine Mutter / mein Vater“

Vielen Menschen fällt irgendwann im Leben auf, dass sie manche Dinge genauso tun, wie es die Eltern getan haben. Obwohl sie es doch genau anders machen wollten! Es leben aber einige Überzeugungen unserer frühesten Bezugspersonen in uns, und im Laufe der Zeit sind sie zu unseren eigenen Überzeugungen geworden. Nun wirken diese großteils im Unbewussten. Wir bemerken dann nur, wie sich innere Haltungen in Handlungen und unserem Verhalten ausdrücken. Genau auf dieser, der Verhaltensebene ist es dann mühselig, etwas anders zu machen, wenn der tiefer liegende Glaubenssatz nach wie vor wirkt. Wie kann ich aber etwas verändern, von dem es mir gar nicht bewusst ist, das es da ist?


Flieder symbolisiert viele Teile der unbewussten Glaubenssätze

Unbewusstes bewusst machen

Um zu erkennen, was ich denke und glaube, muss ich natürlich in Kontakt mit mir sein und achtsam, bewusst beobachten. Doch ganz langsam, in aller Ruhe. Wir haben also erkannt, es existieren in uns verinnerlichte, bereits automatisierte Glaubensmuster, die quasi für „wahr“ befunden wurden und daher vermeintlich keine Notwendigkeit mehr besteht, darüber bewusst zu reflektieren. Folglich werden sie unbewusst so gedacht, tagaus, tagein und färben das bewusste Erleben. Die Welt wird durch unsere subjektiven Wahrnehmungsfilter wahrgenommen.

Ein Beispiel:
Wenn in mir die unbewusste Haltung ist „Nur wer stets hart arbeitet, kann überleben“, werde ich mir schwer erlauben können, auch mal zu entspannen und nachmittags ein Nickerchen zu machen. Wahrnehmen auf bewusster Ebene werde ich allerdings etwas wie „ich hab keine Zeit zum Ruhen“ oder „es ist immer so viel zu tun“. Oder, wenn schon Verbindung zu sich selbst gefühlt wird: „Ich werde ganz unruhig, wenn ich mich ausrasten soll“.

Alles, was unsere innere Überzeugung bestätigt, wird besonders bemerkt, wir bestätigen uns dadurch selbst. Erfahrungen, die unserem Glaubenssatz entgegenstehen könnten, werden umschifft oder als „unwahr“ gesehen. So nehmen wir die Welt verzerrt und eingeschränkt wahr.

Wir sind aber keineswegs nur von Biologie und Konditionierungen gesteuerte Wesen, die ausgeliefert das tun, was sie unbewusst denken. Nein, wir haben auch Gefühle, ein aktives Bewusstsein und den freien Willen! Wir können uns entscheiden, uns selbst erforschen zu wollen.


So entdeckst du deine inneren Überzeugungen

Um deinen hinderlichen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • In etlichen Sprichwörtern verbergen sich tiefere Glaubenshaltungen, wie etwa „Übermut tut selten gut“ oder „der frühe Vogel fängt den Wurm“. Welche Redensarten kennst du, welche hast du als Kind immer gehört und welche glaubst du auch heute noch?
  • Achtsamkeit ist eine hervorragende Möglichkeit, deinen Überzeugungen auf die Spur zu kommen. KlientInnen zeige ich, wie sie lernen, sich selbst neutral zu beobachten. Das Ziel ist zu bemerken, welche Persönlichkeitsanteile in dir sprechen, welche Sätze oft auftauchen, die dich in deinen Handlungen im Alltag begleiten. Was denkst du die ganze Zeit? Sind es selbst gewählte, bewusste Gedanken, oder automatisch, wiederkehrende Sätze? Beobachte dich beim Denken, um dir deiner inneren Überzeugungen bewusst zu werden. Verzage nicht gleich, wenn du dich verstrickst weil du mit Gefühlen identifiziert bist und dir das neutrale Beobachten nicht gleich gelingt. Diese Praxis braucht ein bisschen Übung.
  • Du kannst diverse Listen durchsehen, mit allgemeinen, häufigen Glaubenssätzen. Du findest dafür im Internet etliche Auflistungen zu verschiedenen Bereichen des Lebens. Manchmal kannst du dir dadurch Anregungen holen, um genauer in dich hineinzuhören, was davon auch du glaubst. So lassen sich Glaubenssätze identifizieren, mit denen man dann gut arbeiten und sie weiter beleuchten kann.
  • Unterstützung durch Coaching: Meine Aufgabe im Coaching ist es, achtsam zu sein und zu spiegeln, was ich höre und bemerke, sodass dann auch dir bewusst wird, welche inneren Haltungen in dir existieren. Oft höre ich dann ein staunendes „ahja, genau!“. Manchmal ist es eben leichter, alte Muster zu erkennen mit Hilfe eines zugewandten, neutralen Gegenübers mit einer unvoreingenommenen Außensicht.

wiese und fluss symbolisieren glaubenssatzarbeit

Manchmal gehen Überzeugungen noch tiefer: Selbst wenn sich Menschen ihrer Glaubenssätze bewusst werden, ist es nur die Spitze des Berges und es liegt unter diesem „oberflächlichen“ Glaubenssatz noch eine tiefere, persönliche Glaubenshaltung.
Das könnte sich beispielsweise so zeigen: „Ich ärgere mich, weil ich mich nicht traue, meine Meinung zu sagen.“ In der Coaching-Arbeit kristallisiert sich dann die tiefe unbewusste Überzeugung heraus „ich bin nicht in Sicherheit, wenn ich für mich einstehe, daher darf ich nicht für mich einstehen“.


Hinderliche Glaubenssätze erkennen – Fazit:

Da unsere Gedanken maßgeblich unsere Stimmung und auch Handlungen beeinflussen, ist es hilfreich, dir selbst einmal zuzuhören, was du eigentlich denkst. So wirst du Glaubensmustern auf die Spur kommen.

Der zweite Schritt ist, dich bewusst damit auseinanderzusetzen, ob diese Haltungen auch wirklich etwas mit dir selbst zu tun haben, ob es übernommene Vorstellungen sind, oder ob du  in diesem Thema nicht vielleicht eine ganz andere Ansicht hast.

Bei hinderlichen Überzeugungen kannst du bewusst wählen, ob du diese weiter glauben und leben wirst, oder ob du Glaubenssätze, die dir nicht gut tun, verändern möchtest. Um innere Haltungen verändern zu können, ist es notwendig, deine Glaubenshaltungen, Muster und Gedanken zuerst zu erkennen!

Hast du schon innere Sabotagemuster und Glaubenssätze bei dir erkannt, kann ich dich auf verschiedene Arten unterstützen, diese zu wandeln. Es handelt sich ja schließlich um Glaubens-Sätze und nicht um ein feststehendes, allgemeingültiges Dogma oder Grundgesetz.
Eine Möglichkeit, Muster zu lösen, die auch sehr gut zur Selbsthilfe geeignet ist, stelle ich dir in einem der nächsten Artikel vor.

Bis dahin: Glaub nicht alles, was du denkst :))

 



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*Pflichfeld

Danke sagt HSP-Coach Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Coaching & Lebensberatung in 1140 Wien, Purkersdorf.

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