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Umgang mit Hochsensibilität: HSP Strategien

Wie gehe ich mit Hochsensibilität um

Bei der Frage nach dem Umgang mit Hochsensibilität höre ich immer wieder den Wunsch von Hochsensiblen, weniger fühlen zu wollen oder sich am liebsten in ein einsames Waldhäuschen zurückzuziehen. Sie wollen weniger wahrnehmen und sich einfach abblocken.
Wenn alles zu viel, zu laut, zu anstrengend ist, ist es logisch, sich weniger Reize und mehr Ruhe zu wünschen. Es ist gut nachvollziehbar, dass aus Übererregung und einem Gefühl der Überforderung auch das Selbstvertrauen sinkt, die täglichen Anforderungen zu schaffen. Dennoch sollte es nicht gleich der totale Rückzug sein, sondern eher ein Erforschen, wie ich mich mit mir und in der Welt wohlfühlen kann, was ich in mir zu entwickeln habe und welche Bedingungen ich dazu brauche.

 

Stress durch ständige Abwehr

Nach meinem Verständnis ist es manchmal das Abblocken und Dagegensein selbst, das auch sehr viel Kraft kostet. Freilich entsteht es aus dem Gefühl heraus, nicht gut auszuhalten, was dich umgibt. Doch wenn du ständig meinst, abwehren zu müssen, was auf dich auftrifft und dich abschotten zu müssen, dann ist auch das sehr anstrengend. Du bist dann ja andauernd damit beschäftigt, dich zu schützen, zu flüchten oder auszuhalten. Das sind die klassischen Abwehrmechanismen Kampf, Flucht, Starre. Bewegst du dich häufig und unbewusst in diesen Mustern, ohne passenden Ausgleich, ist das für deinen Organismus ständiger Stress.

Doch das heißt ja nicht, dass du dich damit abfinden musst (Opfer), sondern, dass du lernen darfst, einen adäquaten Umgang mit Hochsensibilität zu entwickeln, um es dir und deinem Organismus leichter zu machen.
Das ist Selbstgestaltung. Einen für dich selbst passenden Umgang mit deiner hohen Sensibilität finden.
Es handelt sich weder um einen schnellen „Wunderschalter“, noch um absolute Abgrenzung, sondern um eine spannende Selbsterforschungsreise zu deinem Wohlgefühl.

 

Wie mit Hochsensibilität umgehen?

Solang du deine Feinfühligkeit abwehrst, und versuchst, zu sein wie andere Menschen, fühlt es sich besonders kraftraubend an, mit Hochsensitivität umzugehen. Das würde nämlich bedeuten, anders zu sein, als es dem eigenen Wesen entspricht. Gegen dich selbst zu leben. Sobald du erkennst und akzeptierst, was dich ausmacht, wird es leichter. Dann braucht es deinen Mut, ganz hinter dir selbst zu stehen – die Selbstakzeptanz.
Hol dir Unterstützung, wenn du nicht weißt, wie du zu dieser Selbstakzeptanz gelangen kannst.



Deine feine Wahrnehmung ist ein reichhaltiger Schatz, doch es braucht Strategien, um den Emotionen und Sinnen bewusste Aufmerksamkeit und auch Ruhe zu schenken. Vor allem, wenn du deine Bedürfnisse (noch) nicht kennst oder nicht beachtest, kommt es viel rascher zum Erleben eines dünnen Nervenkostüms.
Man fühlt sich schreckhaft, berührungsempfindlich, leicht überreizt, hat eine geringe Geräuschtoleranz und ist schnell erschöpft. Das kann durch scheinbar kleine Dinge ausgelöst sein: Das Blinken des Autolichtes, verschiedene Düfte, gleichzeitige Geräusche im Außen und diverse Emotionen, Gedanken und Empfindungen im Innen. Der ganze Organismus schaltet auf Alarmzustand und je länger die Situation anhält, desto stärker wird der Stress der Reizüberflutung.

Wenn du jedoch deine Bedürfnisse und Belastungsgrenzen kennst und respektierst, gut mit dir in Verbindung bist, und achtsam mit dir selbst umgehst, kannst du einerseits lernen, dich auch mit verstärkten Reizen wohlzufühlen und andererseits dein Lebensumfeld so zu gestalten, dass es dir entspricht. Es ist dein Leben. Du kannst entscheiden und gestalten.

 

Selbsterforschung

Inneres Wachstum und Selbstentwicklung zählen für jeden Menschen! Unsere Wahrnehmung ist immer sehr individuell.
So hat auch jede HSP (highly sensitive person) eine ihr eigene Wahrnehmung, sowie auch verschiedene Muster der Reizüberflutung. Daher helfen auch bei jedem Menschen unterschiedliche Techniken.

Was sich jedoch in einem Artikel allgemein beschreiben lässt, für einen guten Umgang mit Hochsensitivität, ist:
Ein stetig liebevolles Üben verschiedenster Methoden, den eigenen Selbstraum entwickeln, sich zentrieren, mit dem eigenen Körper verbunden sein, sich seiner Abwehrmechanismen bewusst werden, Energiearbeit, Schwingungen unterscheiden lernen, Außenorientierung und Innenorientierung erfahren, Grenzen ausloten, den Alltag und das soziale Umfeld genau unter die Lupe zu nehmen, zu adaptieren und selbst zu gestalten.

Damit all das möglich ist, braucht es die Bereitschaft, ablenkunsfrei nach Innen zu hören. Sonst sind es wieder nur von außen aufgesetzte Möglichkeiten, die keinen Bezug zu dir selbst und deinem Inneren haben.

 

HSP Strategien für den Umgang mit hoher Sensibilität

Wie wir eben erfahren haben, ist die beste Strategie für den Umgang mit Hochsensibilität, sich selbst gut zu kennen. Selbsterkenntnis und Vertrauen in sich selbst beginnen damit, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und mutig genug zu sein, auch danach zu leben.

Gerne beschreibe ich dir eine Auswahl an Strategien und Themen, mit denen ich in meiner Praxis arbeite und KlientInnen auf ihrer Reise zu sich selbst unterstütze:

  • Kennenlernen und integrieren der „inneren Persönlichkeitsanteile“ wie zum Beispiel „Inneres Kind„, „Innere Kritikerin“…

  • Achtsamkeitsübungen helfen, die Wahrnehmung bewusst zu steuern, zu fokussieren und aus Identifizierungen auszusteigen.
  • Frühe Verletzungen erkennen, mit eventuellen (Entwicklungs-) Traumata auseinandersetzen und die Fähigkeit zur Selbstregulation verstehen.
  • Umgang mit Gefühlen erlernen (Wie gehst du zum Beispiel mit deiner Wut um, darfst du sie spüren und leben?)
  • Zentrieren üben: Ganz beim eigenen Erleben zu sein, und deine Energie bei dir zu haben, halte ich für essentiell. Denn dann haben HSP nicht das Gefühl zu zerfließen und so durchlässig für die Stimmungen anderer zu sein.


  • Energetische Übungen zu Abgrenzung (natürliche Grenzen und Verbundenheit), Wahrnehmung und Energiebalance.
  • Körperwahrnehmung stärken und Entspannung unterstützen, sodass du dich gut geerdet und verankert in dir, im Leben fühlst.

  • Angeleitete Visualisierungen und Imaginationsreisen zur Stärkung und Abgrenzung sind sehr effektiv. Menschen mit hoher Sensibilität haben oft eine reiche Vorstellungswelt.
  • Natur gibt vielen Menschen mit hoher Sensibilität große Kraft. Naturerfahrung hilft bei Stressabbau und vermittelt das Gefühl der Verbundenheit. Wenn du in der Stadt lebst, kannst du überlegen, wie du dir eine naturnahe Umgebung schaffen kannst, sodass du möglichst oft Kontakt zu Natürlichkeit hast. Das kann ein Blumenstrauß am Arbeitsplatz, ein Kräuterkistl zu Hause sein, durch einen Ausflug am Sonntag, oder mit Naturmaterialien im eigenen Lebensraum gelingen.

  • Umgang mit Hochsensibilität


  • Soziales Leben: Ausgewogenheit herstellen zwischen dem Bedürfnis allein zu sein, und dem Bedürfnis von Verbundenheit und sozialer Nähe. Wie geht es dir mit Einsamkeit? Wie viel Nähe findest du angenehm? Bei welchen Menschen fühlst du dich wohl und wie gehst du mit Menschen um, in deren Umfeld du dich nicht wohlfühlst? Wie sieht dein soziales Netz aus und entspricht es dir?
  • Sehr hilfreich ist es auch, deinen ATEM als Werkzeug einzusetzen. In diversen Übungen lässt sich leicht trainieren, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken. Es ist sehr alltagstauglich – dein Atem ist glücklicherweise immer bei dir.
  • Glaubenssatzarbeit, um dir inneren Überzeugungen, Bewertungen und Einstellungen zu dir selbst und zur Welt bewusst zu werden, gegebenenfalls zu lösen, und zu verändern.
  • Regelmäßige RUHEzeiten und bewusste Stille in den Alltag integrieren. Erst durch gelebte Pausen kommen Hochsensible wieder gut in Verbindung mit sich und können Kraft schöpfen. Wenn du jetzt sagst, du hast keine Zeit dafür, dann wird es wichtig sein, dich mit deinem ureigenen Rhythmus und deinem Selbstwert auseinanderzusetzen, bis du es dir selbst wert bist, deinem Wohlergehen und deiner Gesundheit höchste Priorität zu geben.

  • Äußere Ruhe ist nicht immer so leicht zu finden, daher sind Ohrstöpsel ein wesentlicher Tipp für Menschen mit hoher Geräuschemfpindsamkeit.
  • Die meisten Hochsensiblen grübeln, analysieren und denken viel. Daher ist eine gute Strategie, alles zu tun, was dir hilft, um „vom geistigen Kopf gut im Körper zu landen“, also dich selbst wieder mehr zu spüren. Für gute Körperverbindung gibt es etliche, leicht anwendbare Techniken. Aber es zählen auch vermeintlich banale Dinge dazu wie regelmäßige Bewegung, gute Nahrung, richtige Nährstoff- und Hormonbalance, sowie frischen Sauerstoff aufzunehmen.

  • Selbstmanagement: Einen Ausgleich finden zwischen geordneter, haltgebender Struktur und genügend intuitivem Freiraum zur kreativen Entfaltung.

    Ausgleich finden meint auch, nicht ständig zwischen Überforderung und reizarmem Rückzug hin und her zu kippen!

Fazit für den Umgang mit Hochsensibilität

Strategien für den Umgang mit Hochsensibilität gibt es sehr viele, dies war ja nur ein Auszug zum Überblick. Letztlich ist es aber von Mensch zu Mensch individuell was gut tut, weil ja auch nicht jede und jeder die gleichen Facetten von Hochsensitivität lebt.
Lass dich dadurch auch nicht überfordern, jetzt sofort dein komplettes Leben umkrempeln zu müssen. Du gehst dein Tempo.

Sei achtsam mit deiner Feinfühligkeit und nutze sie für dich.

Schau, in welchen Bereichen du gern Unterstützung hättest. Überlege dir, was du gerne für dich selbst ausprobieren möchtest. Vertraue deiner Intuition und setze jeden Tag einen kleinen Schritt in einem der Bereiche.

Dir wird alles wohltun, was dich in deiner Selbstfürsorge bestärkt. Du bist in Ordnung, genauso wie du bist!
Es ist dein Entwicklungsweg, auf dem es dir erlaubt ist, alles zu probieren um dich mit dir selbst, deiner Umwelt und in deinem Leben wohlzufühlen.

 



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*Pflichfeld

Danke sagt HSP-Coach Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Coaching & Lebensberatung in 1140 Wien, Purkersdorf.

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