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Hochsensibel sein und wohlfühlen?

Ich will nicht hochsensibel sein; ich will mich wohlfühlen!

In meinen Hochsensibel-Coachings und psychosozialen Beratungen taucht immer wieder eine Frage auf:

„Ich habe herausgefunden, dass ich hochsensibel bin, aber wie kann ich mich jetzt wohlfühlen?“

Dann sehe ich den erwartungsvollen Blick und spüre, dass meine Klientin jetzt gerne DAS Universalrezept auf Knopfdruck hätte. Auch, wenn sie tief im Inneren weiß, dass es keine Zaubermittel und Sofortlösungen gibt, wünschen würden wir uns das doch alle manchmal, oder? 😉

Wir schauen uns dann gemeinsam an, was es bei der individuellen Person eigentlich genau ist, das am Wohlfühlen hindert
und erarbeiten Strategien.

Es fällt mir auf, dass es nicht immer als Erleichterung wahrgenommen wird, zu erkennen, hochsensibel zu sein. Manche möchten lieber keine so hohe Sensibilität, und es fällt ihnen schwer, zu akzeptieren, wie es ist.

Da gibt es einige Faktoren, die das durchaus verständlich machen. Als hochsensibler Mensch nimmst du ja unglaublich viel gleichzeitig wahr und verarbeitest die Reize intensiver. Für all die Eindrücke gibt es auch keinen Ein- oder Ausschaltknopf.
Das kann sehr anstrengend sein.

Außerdem kann folgendes, je nach Alter und persönlicher Entwicklung, eine Rolle spielen, lieber nicht hochsensibel sein zu wollen:

  • ich will ja nicht komisch sein
  • ich möchte gern dazugehören
  • nicht dünnhäutig sein wollen
  • nicht wahrhaben wollen HSP zu sein, weil ich lieber ganz „normal“ sein möchte
  • ich halte die Reizüberflutung nicht aus
  • nicht anders als ein Großteil der Menschen sein wollen
  • mehr aushalten wollen, robuster sein

hochsensibel zeigt rosa Blumenwiese und zarter Himmel

Das ist eine gute Stelle, um es immer und immer wieder zu betonen: Hochsensibilität ist keine Erkrankung!
Hohe Sensibilität ist weder besser, noch schlechter, sondern es ist ganz in Ordnung und völlig okay, so zu sein, wie du bist. HSP sind auch nicht schwächer, weniger belastbar oder komischer als andere Menschen.


Etikett Hochsensibel

Manche aber wehren sich auch einfach gegen die Etikettierung „hochsensibel“.
Das kann ich gut verstehen!

Denn mir ist wichtig zu betonen, dass ich gegen Schubladisierung bin! Auch empfinde ich Kategorisierungen du bist hochsensibel, du bist sensibel, du bist hochsensitiv, du bist… für wenig hilfreich. Wer will denn da wie messen?
Dennoch kommt es im Sprachgebrauch vor, und es erleichtert die Auseinandersetzung mit dem Thema, dem „Kind einen Namen zu geben“. Aber nur jede/r kann für sich selbst entscheiden, was sich richtig anspürt. Niemals andere damit „betiteln“. Sich selbst hochsensibel zu nennen, kann eine Erleichterung bedeuten, weil ich mich endlich erkannt und zugehörig zu einer Gruppe fühle, oder es kann wie ein „Stempel“ wirken. In jedem Fall ist es mir sehr wichtig, gegen Stigmatisierung zu wirken!

Hohe Sensibilität und Feinfühligkeit sind, egal wie benannt, NICHTS WOFÜR DU DICH SCHÄMEN MUSST!


Wohlfühl-Strategie

Der Vorteil am Anerkennen der eigenen Hochsensibilität ist: du kannst es dir dann einfacher machen im Leben, sodass du dich wohlfühlst! Schauen wir uns an einem Beispiel an, wie ich das meine:

Manche fühlen sich in Schule, Studium, Arbeitsumfeld überfordert. Sie leiden womöglich unter Kopfweh, Erschöpfung, Schlafschwierigkeiten, nervösem Magen oder Energielosigkeit. Natürlich müssen Beschwerden immer medizinisch und psychiatrisch abgeklärt sein! Aber abgesehen davon, entsteht beispielsweise Erschöpfung oft nicht, weil die Aufgabe, die Arbeit an sich, oder das Lernen so schwierig wären, sondern, weil die Begleitumstände wie Lärm, viele Menschen in einem Raum, ständige Geräuschkulisse, verschiedene Düfte, verschiedene Stimmungen, keine Frischluft, zu wenig Pausenmöglichkeiten, nicht regulierbare Raumtemperatur und keine Rückzugsmöglichkeit so erschöpfend sind.
Vor allem in Verbindung mit der hohen Aufnahmefähigkeit von Eindrücken können diese Umstände zu Unwohlsein beitragen.

Wenn du um Hochsensibilität weißt, kannst du lernen, mit diesen Begleitumständen der Umwelt anders umzugehen. Statt dich zu wundern, was denn mit dir los ist, weil du schon wieder so erschöpft bist, kannst du achtsamer auf deine eigenen Bedürfnisse hören. Dadurch dann milder mit dir sein und somit besser für dich sorgen, um dich wohlzufühlen.

Gelbe Lilie vor rosa Blume


Zum Beispiel kann die Pausengestaltung während Schule, Studium oder Arbeit dann anders aussehen.
Wenn dir bewusst wird, dass es dich anstrengt, wenn in einem Pausenraum viele Menschen gleichzeitig sprechen, kannst du dich gegen den Gruppenzwang entscheiden und musst dich dennoch nicht isolieren. Wenn du nicht allein sein magst, geh in der Pause doch lieber mit ein oder zwei KollegInnen kurz raus an die Luft. Gestalte deine Pause so, dass sie dir auch wirklich Erholung bringt.


Für dich sorgen

Am Anfang braucht es vielleicht etwas Mut, sich anders als die Mehrheit zu verhalten. Aber du bist dann einerseits weniger erschöpft, weil du deine Grenzen achtest und dir wohltust. Und dadurch hast du mehr Kraft.
Andererseits stärkt es auch die Achtsamkeit deiner Umgebung. Mitmenschen sind mitunter froh, wenn jemand Alternativen zu dem „Üblichen“ aufzeigt. Oder du durch deine feinen Antennen beispielsweise für Frischluft sorgst. Andere fühlten sich vielleicht selbst müde, wussten aber nicht woran es liegt.

Mit der Zeit wird es leichter, richtig zu kommunizieren und auch anderen mitzuteilen, was dir wohltut.

Und auch an dieser Stelle gern wieder: dies hat nichts mit Egoismus zu tun. Denn Hochsensible sind meist ohnehin sehr gut darin, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, sich danach zu richten und anzupassen. Es liegt in der Natur empathischer Menschen, nicht egozentrisch zu sein.
Doch hochsensibel sein kann auch mit sich bringen, zu sehr im Außen, bei Anderen zu sein, (noch) nicht gut bei sich angekommen zu sein, und sich so selbst ein wenig zu vergessen.

Daher ist die Botschaft: Lerne, deine Bedürfnisse zu spüren und nimm sie ernst. Vor allem: trau dich dann, so zu gestalten, dass du dich wohlfühlst. Denn das bedeutet Verantwortung zu übernehmen!

Hochsensibilität ist schließlich kein Freibrief für Jammern und ist auch keine Ausrede!

Wenn du also für dich akzeptiert und angenommen hast, dass du eine hohe Wahrnehmung, und / oder ausgeprägte Sinne hast, wird es so viel leichter. Du musst es ja nicht betiteln, aber du hörst auf, gegen dich selbst zu kämpfen!

Du beendest den Kampf, nicht so sein zu dürfen, wie du bist.

Du hörst auf, gegen deine eigene Natur zu leben, weil du krampfhaft versucht hast, dich anzupassen und jemand zu sein, der du nicht bist. Die Masken dürfen Schritt für Schritt fallen und du kannst dein ursprüngliches Selbst sein.

Ganz bei dir selbst ankommen. Sein wie du bist.
Das ist unglaublich befreiend und erleichternd.

Natürlich ist dies ein Weg, ein Prozess, und dauert vielleicht ein wenig. Wie eingangs geschrieben, gibt es den Zaubertrank für die Sofortlösung nicht. Aber du musst den Weg auch nicht allein gehen. Wir sind alle auf der Reise des Lebens, und Bewusstheit bedeutet eben auch, dass du Verantwortung für dein Leben übernimmst.



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*Pflichfeld

Danke sagt Iris Lasta: Praxis für psychologische Beratung, Coaching & Lebensberatung in 1140 Wien, Mauerbach, Purkersdorf.

Bildquelle © DAWOOL / Fotolia.com

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